Ausgewählter Beitrag

Aus einem April

 Wieder duftet der Wald.

Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor,
der unseren Schultern
 schwer war;

zwar sah man noch durch die Äste den Tag,
wie er
leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen

kommen die goldübersonnten
 neueren Stunden,

vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten

alle die wunden 
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.
Dann wird es still.
Sogar der Regen geht leiser
 über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.

Alle Geräusche ducken sich ganz 
in die glänzenden Knospen der Reiser.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Beatrice 04.04.2012, 13.53

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