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Herbstzauber auf dem Public Square: Das Fall Festival in Jacksonville

Es braucht kein großes Spektakel, um einen Ort in Erinnerung zu behalten. Ein sonniger Tag, ein Platz mitten in einer kleinen Stadt, Musik in der Luft und zwischen all den Ständen ein Glas goldgelbes Gelee - schon ist eine neue Reisegeschichte geboren.


Genau so war es beim Fall Festival on Public Square in Jacksonville, Alabama.

Ein Fest mitten im Herzen der Stadt

Der Public Square ist nicht einfach nur eine Grünfläche im Zentrum von Jacksonville. Er ist seit vielen Jahrzehnten ein Treffpunkt der Stadt. Schon historische Aufnahmen aus den 1920er-Jahren zeigen den Platz als Mittelpunkt des gesellschaftlichen und geschäftlichen Lebens. Auch die Stadt selbst schreibt, dass vieles von dem, was Jacksonville ausmacht, auf dem Public Square beginnt: Feste, Veranstaltungen der Universität und die kleinen, inhabergeführten Geschäfte rund um den Platz.


Beim Fall Festival füllte sich dieses grüne Herz der Stadt mit weißen und bunten Pavillons. Dazwischen lagen schmale Wege, auf denen man gemütlich von Stand zu Stand schlendern konnte. Es gab Kleidung, Schmuck, Handarbeiten, Dekorationen, Vogelhäuser und kleine Holzbauten. Besonders niedlich fand ich die gehäkelten Schildkröten, Kürbisse und anderen Figuren, die einen Stand in eine kleine wollige Herbstwelt verwandelten.

Auch für Kinder war einiges dabei. An einem Stand konnte man sich beim Facepainting in eine Katze, einen Fuchs, einen Superhelden oder ein glitzerndes Fantasiewesen verwandeln lassen. Dazu kamen die Düfte der Essensstände und die Musik, die über den Platz zog.


Organisiert wurde das Festival vom Jacksonville Arts Council. Für 2026 waren Dutzende Anbieter mit handgefertigten Produkten und Lebensmitteln angekündigt. Auf der Bühne standen Southland Soul und die Sherwood Seven. Die Musikgruppen sorgten für den passenden Hintergrund zu einem Tag, bei dem weniger ein straffer Zeitplan als das Schauen, Probieren und miteinander Plaudern im Mittelpunkt stand.

Ein Glas Alabama für zu Hause

Mein persönliches Mitbringsel wurde schließlich ein Glas mit der Aufschrift:

Scuppernong Jelly

Auf Deutsch würde man meistens von Scuppernong-Traubengelee sprechen - auch wenn es bei uns wohl ganz selbstverständlich unter „Marmelade auf dem Frühstückstisch" landen würde.


Scuppernong ist eine helle oder bronzefarbene Sorte der Muscadine-Traube. Diese Trauben stammen aus dem Südosten der Vereinigten Staaten und kommen mit dem warmen, feuchten Klima der Region besonders gut zurecht. Sie besitzen eine vergleichsweise feste Schale und ein intensives, leicht moschusartiges Fruchtaroma.

Der Name geht auf den Scuppernong River in North Carolina zurück. Dort wurde bereits vor 1760 eine bronzefarbene Muscadine-Auslese bekannt, die zunächst „Big White Grape und später Scuppernong genannt wurde. Im Laufe der Zeit verwendete man den Namen im Süden häufig ganz allgemein für helle Muscadine-Trauben - botanisch bezeichnet Scuppernong jedoch eigentlich eine bestimmte Sorte.

Aus Muscadines werden im Süden traditionell Saft, Wein, Kuchen und vor allem Gelee hergestellt. Anders als eine Konfitüre wird Jelly aus dem gefilterten Fruchtsaft gekocht. Deshalb ist es durchsichtig, glatt und fast ein wenig leuchtend. Mein Glas enthält laut dem erkennbaren Etikett Scuppernongs, Zucker und Zitronensaft – eine wunderbar kurze Zutatenliste.

Geschmacklich ist das Gelee süß und deutlich traubig, besitzt aber ein eigenes, kräftigeres Aroma, das sich von gewöhnlichem Traubengelee unterscheidet. Auf einer Scheibe dunklem Brot leuchtet es beinahe wie flüssiger Bernstein. Und vielleicht schmeckt man darin tatsächlich ein wenig Alabama: Sonne, Spätsommer und die Tradition, Früchte aus dem eigenen Garten haltbar zu machen.

Wer hat das Gelee hergestellt?

Auf meinem Glas ist die Sorte gut zu lesen, ein eindeutiger Marken- oder Herstellername dagegen leider nicht. Auch auf dem Foto des Verkaufsstands tragen die Gläser vor allem die jeweilige Sortenbezeichnung. Neben Scuppernong Jelly waren dort unter anderem folgende Sorten zu entdecken:

  • Fig Preserves
  • Blueberry Jam
  • Blackberry Jalapeño Jelly
  • Pineapple Habanero Jam
  • Peach Hot Pepper Jam
  • Raspberry Jam
  • Strawberry Jam
  • Strawberry Hot Pepper Jam

Vermutlich handelte es sich also nicht um eine größere Marke, sondern um die kleine Produktion einer regionalen Anbieterin, die ihre Gläser direkt auf Märkten und Festivals verkauft. Einen verlässlichen Online-Shop konnte ich nicht finden. Wer dieses besondere Gelee kaufen möchte, hat daher wahrscheinlich bei Veranstaltungen des Jacksonville Arts Council oder auf anderen Kunsthandwerks- und Bauernmärkten der Region die besten Chancen.


Für mich macht gerade das den Reiz des Glases aus: Es ist kein Souvenir, das überall erhältlich ist. Es gehört zu diesem einen Tag auf dem Public Square, zu der freundlichen Verkäuferin hinter der langen Reihe bunter Gläser und zu der kleinen Entscheidung, eine unbekannte Sorte einfach einmal auszuprobieren.

Ein paar Worte über Jacksonville

Jacksonville liegt im Nordosten Alabamas, in den Ausläufern der Appalachen und etwa zwölf Meilen nördlich von Anniston. Die Stadt entstand in den 1830er-Jahren und hieß zunächst Drayton, bevor sie zu Ehren Andrew Jacksons umbenannt wurde.

Untrennbar mit Jacksonville verbunden ist die Jacksonville State University, heute häufig kurz Jax State genannt. Ihre Geschichte begann 1883 als staatliche Ausbildungsstätte für Lehrerinnen und Lehrer. Bis heute prägt die Universität das Leben der Stadt – und sorgt dafür, dass Jacksonville gleichzeitig wie eine ruhige amerikanische Kleinstadt und wie eine lebendige Universitätsstadt wirkt.

Der Public Square bringt diese beiden Seiten besonders schön zusammen. Rund um das Grün stehen kleine Geschäfte und historische Gebäude; bei Festen wird der Platz zur Bühne, zum Markt und zum Treffpunkt. Beim Fall Festival waren Studierende, Familien, ältere Einwohner und Besucher gemeinsam unterwegs. Man schaute sich die Waren an, blieb für ein Gespräch stehen und hörte der Musik zu.

Die kleinen Dinge bleiben

Von einem Festival nimmt man selten nur Fotos mit. Man erinnert sich an Farben, Geräusche und zufällige Begegnungen. An gehäkelte Schildkröten, die aus einer Holzkiste schauen. An ungewöhnliche Vogelhäuser, bunte Gesichtsbemalung und Kleiderständer unter schattigen Zelten. An den tiefblauen Himmel über dem Platz.




Und manchmal bleibt von einem solchen Tag auch ein angebrochenes Glas Scuppernong Jelly im Kühlschrank.

Bei jedem Frühstück kommt damit ein kleines Stück Jacksonville zurück: golden, süß und sehr südlich.



Informationen und weiterführende Links

Beatrice 12.09.2026, 18.30

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